An einem besonders kalten Tag in Alberta war ich alleine im Haus meiner Gasteltern. Gut, nicht ganz alleine – die vier Hunde leisteten mir Gesellschaft. Sie wuselten um mich herum und leckten meine Hände ab.
Nach dem Spielen ging ich ins Badezimmer, um mir die Hände zu waschen. Ich drehte den Wasserhahn auf und stutzte. Das Wasser war blutrot! Anfangs nur leicht verfärbt, änderte sich die Farbe schnell in ein tiefes Rot. Ich kontrollierte meine Hände, ob ich vielleicht blutete und sich das Wasser deshalb verfärbte, aber… Ich war nicht verletzt.
Natürlich wusste ich durch den Konsum einiger Horrorfilme sofort, was Sache war: Ein Mädchen war in einem Wassertank ertrunken, ihr Blut verunreinigte nun das Wasser und vermutlich stand ihr Geist bereits hinter mir.
Ich versuchte, mir die Panik nicht anmerken zu lassen und wusch meine Hände dann in der Küche. Ich atmete tief durch und überlegte, wie ich diese Situation am besten lösen könnte. Mir fiel nur eine Lösung ein: Ich müsste Dominanz zeigen. Ich würde beweisen, dass ich mich nicht einschüchtern lasse.
Also lief ich zurück ins Bad, hockte mich über das Klo und rief möglichst selbstsicher: „Jaja, Geist hin oder her, aber ich muss kacken!“
Damit schienen die Fronten geklärt zu sein und bis meine Gasteltern wieder da waren, wurde ich nicht mehr belästigt. Als ich ihnen von dem Geist erzählt habe, mussten sie schmunzeln – scheinbar kommt es hier öfter vor, dass Rost gelegentlich das Wasser verschmutzen würde. Eine kurze Unannehmlichkeit, die sich jedes Mal schnell wieder legen würde. Tja, wenn sie das glaubten – ich habe den Geist ja nun vertrieben. Gern geschehen 😉
