Erinnerungen an Okinawa

Ich war bereits einmal in Japan. Ich glaube, ich war damals 15 Jahre alt. Ich erinnere mich kaum, aber es fühlte sich an wie ein wahr gewordener Traum. Heute sind es nur noch Erinnerungsfetzen, die von diesem Traum übrig geblieben sind.

Ich erinnere mich an den Flug. Besser gesagt: an das Flugzeug-Essen. Wie mir damals die Stewardess ein warmes Tuch in die Hand gedrückt hat und an meine Verwirrung, was ich damit tun sollte. An das Essen, das mir bei anderen Flügen wie eine breiige Pampe erschien, dieses Mal aber frisch und gesund war. Und an das Eis zum Nachtisch, das in einem roten Pappbecher serviert wurde. Ich weiß nicht mehr, ob es Vanille- oder Karamellgeschmack war, aber bis heute zaubert mir der Gedanke an dieses Eis ein Lächeln ins Gesicht.

Ich erinnere mich an unsere Unterkunft mit einem Badezimmer, das wie ein kleines Onsen wirkte. Aus der gefliesten Wand ragten niedrige Wasserhähne, mit denen wir uns wuschen, bevor wir uns in einem Becken entspannten. Schon damals erschien mir dieses Bad als sehr luxuriös und auch heute noch denke ich an diesen Raum zurück und wie ich jedes Bad darin genossen habe.

Ich erinnere mich an einen Strand voller Muscheln und Korallen, deren bunt gesprenkelte Schönheit im Gegensatz zu den spitzen Kanten standen, die sich bei jedem Schritt in meine Fußsohle gebohrt haben.

Ich erinnere mich an den Besuch eines Sushi-Restaurants. In meinem jugendlichen Leichtsinn freute ich mich auf gerollten Reis mit Gemüse und schaute skeptisch, als mir roher Fisch serviert wurde. Trotzdem verschlang ich ihn todesmutig in einem Bissen – was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte. Obwohl ich das Häppchen vorher in Sauce ertränkt hatte, schmeckte es mir überhaupt nicht und der Fisch blieb mir im Hals stecken. In dem Moment, in dem mein Körper ein Würgreiz erfasste, rief der Reiseleiter mit einem:“3, 2, 1 – Cheese!“ zum Gruppenfoto auf und ich versuchte, über die Situation hinweg in die Kamera zu lächeln.

Ich erinnere mich an eine Übernachtung in einer herzlichen Gastfamilie, die die handtellergroßen Mückenstiche auf mir im Handumdrehen heilen konnten und an schleimiges Natto zum Frühstück.

Leider sind meine Erinnerungen mit den Jahren verblasst. An das meiste erinnere ich mich nicht einmal mehr. Woran ich mich aber erinnere: Wie dringend ich zurück möchte und dieses faszinierende Land am anderen Ende der Welt weiter kennenlernen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert